05
Nov
2009

Zero Dollars

Wer kennt sie nicht, die lustigen Ketten-Mails die uns suggerieren, dass ohne unsere aktive Mithilfe beim Spammen, die Betreiber von Social Networks oder Communities leider, leider gezwungen sind für ihre Dienste Geld zu kassieren?

Hallo, Das Team von MeinBook hat lange gekämpft, aber wenn wir nicht alle mithelfen, wird MeinBook ab 1.1.2010 kostenpflichtig. Leite diese Nachricht daher an möglichst viele deiner Freunde weiter, damit wir auch nach dem 1.1. MeinBook kostenlos nutzen können. Liebe Grüße Lieschen Müller

Man stelle sich vor: Facebook, MySpace und Co. würden von ihren Usern – von uns – Geld verlangen. Moneten. Richtige Penunzen! Die meisten Opfer solcher Kettenbriefe verfahren damit sicher richtig und schieben die Nachricht zielgerichtet in Richtung Papierkorb. Einigen gibt das jedoch zu denken. Warum sind Social Networks – von manchen, durchaus erfolgreichen Ausnahmen (wie z.B. Xing) mal abgesehen – eigentlich kostenlos?

Nun, sie sind nur kostenlos für ihre User. Unternehmen die sich dieser Kanäle bedienen wollen, müssen durchaus in ihre Taschen greifen und für Werbung in allen ihren Formen zahlen. Keine Regel ohne Ausnahme. Und so stellt sich schon länger die Frage (beispielsweise im Rahmen der kürzlich in München abgehaltenen Medientage), wie man auch bei den Usern mal ordentlich in die Tasche langen und sich so noch einen weiteren Geldzufluss erschließen könnte. Worüber wurde nicht alles diskutiert: Freemium Modelle, Abos, virtuelle Güter und Geschenke, etc. pp.

Das kommt einem doch alles sehr bekannt vor.

Verlage und Publizisten auf dem gesamten Planeten plagen sich seit mittlerweile fast einem Jahrzehnt mit der Tatsache, dass ihnen ihre traditionellen Geschäftsmodelle nicht mehr länger die Kassen voll spülen wollen. Eine interessante Analyse dieser Misere liefert aktuell die FTD. Verlage haben viele Jahre an allen Ecken und Enden des publizistischen Produktionsbetriebs mitverdient: von der Produktion des bedruckten Papiers, über die zahlungswilligen Leser, bis hin zur Vermarktung von Anzeigenflächen an mehr oder weniger motivierte Unternehmen. Doch sie fußen ihr Geschäftsmodell auf einem fatalen Trugschluss. Nämlich dem, dass die Leser vermeintlich auch für die Produktion des Contents zahlen. Das tun sie nämlich nicht. Haben sie auch nie.

Social Networks und Communities – Social Media Plattformen im Allgemeinen – sind hier im Vorteil: ihr Geschäftsmodell hat sich nie wirklich um die Zahlungen durch User gekümmert. Diese stellen einen angenehmen Nebeneffekt dar, werden jedoch die Einnahmen aus dem Verkauf von Werbung auf kurz oder lang kaum ersetzen können. Denn bei Social Media unterliegen wir – die User und Benutzer – einem grundlegenden Irrtum.

Wirklich kostenlos?

Ohne es zu merken zahlen wir alle – vom Moment des ersten Logins, bis zum Löschen eines Profils – unbemerkt für die Nutzung dieser Services. Zugegeben, wir bezahlen nicht mit Geld. Wir bezahlen mit etwas viel wertvollerem: mit unserem Privatleben. Je mehr Privatsphäre geteilt wird, um so effektiver funktioniert ein Social Network. Jede zusätzliche Möglichkeit zum Teilen von Gedankenfetzen, Inhalten und Privatem entspricht am ehesten einer weiteren Konsumverlockung. Hören wir auf uns wie verrückt über alles und mit jedem auszutauschen, entziehen wir damit dem Social Media Bereich auch seine Existenzberechtigung. Nun sind wir alle Egomane genug, um dies nicht zuzulassen. Daher wird Facebook nie kostenpflichtig werden. Es ist bereits kostenpflichtig: Es kostet uns unser Privatleben.

Anstatt weiterhin dem Fiebertraum von “Paid Content” atemlos hinterherzulaufen, sollten sich klassische Medienhäuser also Gedanken darüber machen, was sie vom Modell “Social Media” lernen können. Einen Vorschlag hält – es geschehen noch Zeichen und Wunder – sogar die FTD selbst bereit: Verlage sollten das Geschäft mit neuen Verbreitungswegen (beispielsweise E-Paper, E-Book-Reader, etc.) nicht kampflos Unternehmen wie Apple, Sony oder Amazon überlassen. Denn wer das Medium (das wirkliche, physische und tangible Medium) kontrolliert, kontrolliert auch die Einnahmen. Auch hier haben Social Networks bewusst oder unbewusst bereits einen richtigen Schritt getan. Sie sind zum legitimen Kanal für alle Arten digital verfügbarer Kommunikation geworden.

Sind klassische und soziale Medien also gar nicht so weit voneinander entfernt, wie allgemein vermutet wird? Hat das Leid der einen, mit dem Erfolg der anderen zu tun, und könnte die gedeihliche Entwicklung dieser auch von Nutzen für das Überleben jener sein? Für beide Seiten liegen im Erkennen dieses Zusammenhangs noch viele ungenutzte Potenziale verborgen.

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4 Kommentare

05
Nov
2009

Millus sagte um 10:50 Uhr...

Guter Beitrag, der eine Wahrheit ans Licht bringt. Eigentlich muss FACEBOOK & Co. die Mitglieder Geld bezahlen, denn sie verdienen Millionen mit der Zeit/Daten/Privatleben der Mitglieder.

Kettenbriefe lösche ich sofort.

11
Nov
2009

Malik sagte um 21:00 Uhr...

Aber gratis ist auch kein Geschäftsmodell. Dass dies nichts funktioniert sieht man ja auch des öfteren. Blogs oder (ausschliesslich) Gratis-Online-Zeitschriften als Nachrichtenquellen sind kein funktionierendes Modell, sondern dies muss ein Vertriebskanal neben viele sein.

Ich weiss nicht mehr, wo ich das vor einiger Zeit gelesen habe, aber es hat sich gezeigt, dass viele Menschen doch bereits einen gewissen Betrag (pro Monat) zu zahlen, um aktuelle News auf dem Handy zu erhalten. Insofern funktioniert dies Teil-strategie schon.

Wie sich Social Network über einen langen (sagen wir mal 10 Jahre) Zeitraum entwickeln, konnte man bis jetzt doch noch gar nicht wirklich überprüfen. Insofern ist es nicht möglich den Erfolg des Geschäftsmodelles zu kennen. MySpace wurde gekauft und ist nun Teil eines riesigen Medienimperiums. Insofern ist es Teil eines grossen Geschäftsmodelles und kann nicht mehr eigenständig betrachtet werden.

Twitter schebt für mich persönlich so im luftleeren Raum umher, seit 3 Jahren. Ich bin gespannt, wie die nächsten 3 Jahre aussehen werden.

Insofern ist mein Fazit, dass klassische und soziale Medien wirklich nicht weit voneinander entfernt, ganz und gar nicht. Meiner Meinung nach werden die sozialen von den klassischen Medien umhüllt. Zumindest sollte es meiner Meinung so sein, dann funktioniert es am besten.

21
Nov
2009

Matthias sagte um 14:25 Uhr...

Wow, dein Beitrag ist ganz schön polemisch und paranoid. Keine erfolgreiche Social Community kann es sich erlauben, Geld von den Mitgliedern zu verlangen – die sind dann nämlich ganz schnell weg. Social Community Leben von dem guten Willen ihrer Mitglieder und den kann man sich leicht verscherzen.

Und rentabel ist so gut wie keine SC (Ausnahme: Xing wg. Premium-Mitgliedschaften) – auch nicht Facebook! Tatsächlich bemisst sich der Wert einer SC an der Menge der Mitglieder und ihrer Daten. Aber mal ganz ehrlich, wer zahlt lieber 5 Euro/Monat als etwas Privatsphäre abzugeben. Und es liegt immer noch an jedem selber, wie viel er von sich preisgibt.

23
Nov
2009

Jo Wedenigg sagte um 10:06 Uhr...

Naja, aber genau das hab ich ja gesagt. Erfolgreiche Communities verlangen kein Geld von den Usern, weil sie von ihnen ohnehin durch privaten Content “finanziert” werden. Wie viel davon man preisgibt, ist – selbstverständlich – jedem seine eigene Entscheidung:-)

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